Soziale Bewegungen

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AK Soziale Bewegungen und politischer Protest

In den letzten Jahren ist die öffentliche Aufmerksamkeit für die Situation Geflüchteter in Deutschland und Europa stark angestiegen. In diesem Zusammenhang ist eine starke Zunahme von politischen und sozialen Mobilisierungen für und von Geflüchteten zu beobachten.

Zum einen ist das zivilgesellschaftliche Engagement für beziehungsweise der Ausdruck der Solidarität mit Geflüchteten in jüngster Vergangenheit stark angestiegen. In vorher nie dagewesenem Ausmaß setzen sich derzeit Bürgerinnen und Bürger für die Verbesserung der humanitären Situation von Schutzsuchenden ein, indem sie beispielsweise lokale Flüchtlingsinitiativen gründen. Darüber hinaus hat der politische Protest für Verbesserungen in der Migrations- und Asylpolitik und gegen asylfeindliche Strömungen in letzter Zeit zugenommen.

Zum anderen wurde auch der Protest von Geflüchteten selbst in den letzten Jahren immer wieder sichtbar und gewann an Intensität. Durch Protestmärsche, Demonstrationen, Hungerstreiks oder die Besetzung öffentlicher Plätze und Gebäude fordern die AktivistInnen Rechte ein. Spätestens seit der Besetzung des Berliner Oranienplatzes wurden sie damit als politische Subjekte im öffentlichen Diskurs sichtbar.

Die mit diesen Entwicklungen einhergehenden Solidarisierungseffekte wirken nachhaltig in die politische Kultur hinein. Sowohl „Willkommenskulturen“ als auch die Selbstorganisation von Geflüchteten scheinen mit einer Politik der Isolation Geflüchteter zu brechen, die ab den 1990er Jahren sukzessive etabliert worden war.

Aus wissenschaftlicher Perspektive werfen diese Entwicklungen Fragen der politischen Teilhabe im Nationalstaat auf und deuten auf neue gesellschaftliche Auseinandersetzungen bezüglich territorialer und kultureller Grenzen, Mobilität und globalen Ungleichheiten hin. An der Schnittstelle unterschiedlicher Disziplinen, wie Soziologie, Politikwissenschaft, Geographie oder Ethnologie, entstanden jüngst verschiedene Forschungsprojekte, die sich mit den aktuellen sozialen und politischen Mobilisierungen für und von Geflüchteten beschäftigen.

Ziel des Arbeitskreises ist es, eine interdisziplinäre Plattform für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu bieten, die explizit zu diesem Themenbereich arbeiten. Besonderes Anliegen ist es dabei, die spezifischen theoretischen, methodischen und forschungs-ethischen Herausforderungen, die mit der Untersuchung der Mobilisierung von und für Schutzsuchende verbunden sind, zu reflektieren sowie Forschungsergebnisse auszutauschen und wissenschaftliche Kooperation innerhalb des AKs anzuregen. Für Oktober 2015 ist ein erstes Treffen des Arbeitskreises im Rahmen der Konferenz des Netzwerks Flüchtlingsforschung in Planung.