Gender

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AK Flucht und Gender

Wissenschaftler_innen aus vielen Disziplinen zeigen in ihren Analysen von Flucht, Asyl und Zwangsmigration sowie Flüchtlingsschutz die unterschiedlichen Realitäten von und Gefahren für Frauen und Männern. Auf der Grundlage dieser Forschungen wurde mittlerweile verdeutlicht, dass das internationale Flüchtlingsrecht an der Erfahrungswelt eines männlichen Flüchtlings ansetzt und somit durch ein männliches Paradigma geprägt ist. Das erklärt auch, warum das Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge von 1951 keine geschlechterbedingten Fluchtgründe auflistet. Westliche Rechtssysteme basieren historisch auf einer klassischen Trennung in öffentliche und private Sphären, wobei das Private mit dem Weiblichen in Verbindung gebracht wird und lange nicht als asylrelevant betrachtet wurde. Dazu zählt auch, dass die geschlechtsspezifische Verfolgung bspw. aufgrund der sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität als individuelle Fluchtgründe wenig Berücksichtigung fand. Dies änderte sich zumindest in Deutschland mit dem Zuwanderungsgesetz von 2005 und der formalen Anerkennung geschlechtsspezifischer und nicht-staatlicher Verfolgung.

Auch in der Flüchtlingsarbeit wird Gender erst seit den 1990er Jahren und seitdem sukzessive reflektiert und Maßnahmen integriert, die auf die spezifischen Bedarfe von Frauen und Männer sowie geschlechterspezifische Gefahren eingehen. Gender wird in der Flüchtlingsarbeit mittlerweile im doppelten Sinne berücksichtigt, einerseits in Schutzmaßnahmen insbesondere vor sexueller und geschlechterbasierter Gewalt und andererseits in Frauenförderung- und Empowerment-Projekten. Dies zeugt allerdings von einem strukturellen Fokus auf Frauen und eine Vernachlässigung von Männern.

In den vergangenen Jahren hat die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Gender in der Flüchtlingsforschung zugenommen. Die Flüchtlingsforschung greift dabei auf bedeutsame Einsichten der Geschlechterforschung zurück: Gender wird erstens als soziale Kategorien interpretiert, die mit gesellschaftlichen Zuschreibungen, Erwartungen und Normen zusammenhängt. Genderanalysen sollten zweitens nicht ohne eine Reflexion weiterer Dominanzverhältnisse (Klasse, Ethnizität, Alter etc.) stattfinden. Denn Gender ist nicht biologisch determiniert und universell feststehend, sondern gesellschaftlich bedingt, kontextabhängig und dynamisch. In der bisherigen Debatte der Flüchtlingsforschung sind zentrale weiterführende Erkenntnisse, dass Flucht, Asyl und

Zwangsmigration keine geschlechtsneutralen Entwicklungen sind, sondern vergeschlechtlichte Prozesse darstellen. Denn Verfolgung, Flucht und Flüchtlingssituationen haben geschlechterspezifische Gefahren und Wirkungen auf Einzelpersonen und Kollektive sowie auf Geschlechterbeziehungen.

Der Arbeitskreis „Flucht und Gender“ befasst sich mit diesen und weiteren Aspekten von Gender im Rahmen von Flucht, Asyl und Zwangsmigration. Der Arbeitskreis dient als Plattform für Austausch und Informationen, in dessen Rahmen unterschiedliche Formate genutzt werden, um diesen Austausch zu fördern.