Europa

<<Arbeitskreise

AK Europa

Flüchtlings- und Asylpolitik in Deutschland ist ohne den legislativen und politischen Rahmen der EU nicht mehr zu denken. Mit der Schaffung gemeinsamer Schengen-Außengrenzen und der Etablierung eines Gemeinsamen Europäischen Asylsystems beobachten wir den Versuch, die Asylpolitik der Mitgliedstaaten stärker zu harmonisieren. Dabei ist die Umsetzung des Flüchtlingsschutzes von Mitgliedstaat zu Mitgliedstaat höchst unterschiedlich, was gravierende Folgen für die Erfahrungen von AsylbewerberInnen und Flüchtlingen in verschiedenen Teilen Europas hat und deren Migrationsentscheidungen beeinflusst. Schwierigkeiten in der Umsetzung von Flüchtlingsschutz haben dabei zu humanitären und politischen Krisen in Europa geführt, die neue Ansätze in der Flüchtlingspolitik erforderlich machen. Gerade das Verhältnis von Grenzschutz zu Menschen- und Flüchtlingsrechten von Migranten sowie alternative Ansätze des Flüchtlingsschutzes sind so Gegenstand öffentlicher und politischer Auseinandersetzungen geworden. Doch auch über die Region hinaus wirkt Europa auf den Flüchtlingsschutz, sei es durch den Einfluss der EU auf globale Flüchtlingspolitik und legale Interpretationen des Flüchtlingsrechts oder durch die Externalisierung von Asyl und Grenzschutz.

Obwohl ein Teil der weltweit Vertriebenen in Europa Schutz sucht, ist Europa aufgrund der Komplexität und Reichweite der Flüchtlingspolitik ein wichtiger Gegenstand in der internationalen Flüchtlingsforschung. Insbesondere die Rechtswissenschaften nehmen hier eine zentrale Rolle ein und schaffen vielfach mit ihrer Analyse des Asylrechts eine Schnittstelle zwischen Forschung und Praxis. Doch auch die Politikwissenschaft, Soziologie, Ethnologie, Geschichtswissenschaften und andere Disziplinen nehmen verstärkt eine europäische Perspektive in der Flüchtlingsforschung ein und erlauben somit ein komplexeres Verständnis des Flüchtlingspolitik in Europa. Der europäische Raum bietet dabei sowohl vergleichende als auch transnationale Perspektiven und Gelegenheit, eine Vielzahl von Akteuren und politischen sowie administrativen Ebenen in den Blick zu nehmen. Im europäischen Ansatz der Flüchtlingsforschung liegen somit Möglichkeiten über Schutzräume und –instrumente neu nachzudenken, Partizipation von BürgerInnen und Flüchtlingen in der Flüchtlingspolitik in verschiedenen Zusammenhängen zu untersuchen und dem vielfältigen Verhältnis von Schutznormen und –realität nachzugehen.

Der Arbeitskreis soll eine interdisziplinäre Kooperation stärken, die neue Ansätze und Perspektiven in der Untersuchung und Gestaltung von Flüchtlingsschutz in Europa erlaubt. Dabei soll sowohl auf aktuelle Entwicklungen eingegangen als auch grundlegende Fragen behandelt werden. Insbesondere wird die Diversität europäischer Ansätze, Politiken und Praxen auf EU, nationalstaatlicher, lokaler Ebene sowie von BürgerInnen und Flüchtlingen selbst berücksichtigt.

Der Arbeitskreis bietet ein Forum zum Austausch über aktuelle Entwicklungen der europäischen Flüchtlingspolitik und –praxis, neuester Forschungsprojekte und –ergebnisse sowie relevanter Publikationen und anderer Informationen. Darüber hinaus soll es zu einer Zusammenarbeit der TeilnehmerInnen des AKs kommen, in Form von thematischen Veranstaltungen, Treffen oder gemeinsamen Veröffentlichungen.