Afrika

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AK Afrika

Afrika ist der Kontinent mit den meisten Flüchtlingen und zugleich der mit der wenigsten Flüchtlingsforschung. Während sich etwa ein Drittel der Personen auf der Flucht weltweit in Afrika befindet (UNCHR Global Appeal 2015), bleibt der Kontinent diesbezüglich jedoch weitgehend untererforscht.

Im Arbeitskreis ‚Afrika‘ setzen sich Forscher_innen zusammen, die sich für Flüchtlingssituationen interessieren, in denen Afrikaner_innen involviert sind (als Flüchtlinge, aber auch als Gastgeber_innen, Helfer_innen, Expert_innen, Verwalter_innen, Schützer_innen, Täter_innen, usw.). Dabei wird der Blick einerseits auf das Phänomen der Flucht und des Flüchtlingsschutzes selbst, andererseits auf die breiteren gesellschaftlichen Transformationen, die sie begleiten, gerichtet. Wir interessieren uns damit sowohl für die klassischen Fragen der Flüchtlingsforschung (Fluchtursachen, Fluchtziele, Strategien von Flüchtlingen, Schutzmechanismen, usw.) als auch für die soziokulturellen Interaktionen, die davon geprägt werden. Viele Gesellschaften des Kontinents werden von Flucht geprägt. Nahezu alle afrikanischen Staaten sind in den letzten Dekaden sowohl Flüchtlingsproduzenten als auch Gastgeberländer gewesen. Nicht umsonst wurde Afrika als ‚Kontinent des

Flüchtlingslagers im 21. Jahrhundert‘ (Michel Agier) bezeichnet. Einige afrikanische Gesellschaften werden gar als ‚refugee societies‘ beschrieben.

Der Arbeitskreis diskutiert unterschiedliche Themen im Zusammenhang mit Flucht und Zwangsmigration. Dabei wird methodisch besonders auf folgende Aspekte geachtet:

— Historizität | Entgegen der Tendenz, Fluchtbewegungen als etwas Neues zu zelebrieren, verstehen wir Zwangsmigration nicht als neues Phänomen. Sie prägt die Geschichte des Kontinents. Sowohl vorkoloniale Gesellschaften als auch koloniale und postkolonialen Gesellschaften wurden von massiven Fluchtbewegungen charakterisiert. Daher ist es wichtig, Fluchtbewegungen in der ‚longue durée‘ historisch zu verorten.

— Vergleichbarkeit |Der Fokus auf Afrika soll kein Anlass zur Essentialisierung sein. Stattdessen stehen empirische Untersuchungen im Vordergrund, wobei der Arbeitskreis dafür geeignet ist, einzelne Fallstudien miteinander zu vergleichen und zu kontrastieren. Der Arbeitskreis legt einen besonderen Wert darauf, Situationen sowohl zwischen unterschiedlichen afrikanischen Regionen als auch zwischen afrikanischen Fällen und außerafrikanischen Fällen zu vergleichen. Afrika fungiert hier als Kürzel für bestimmte Forschungsfragen, nicht als geschlossene Kultureinheit.

— Kategorien | Eine Herausforderung der Flüchtlingsforschung ist es, einen historisch gewachsenen und meist normativen konzeptionellen Apparat (Flüchtlinge, Binnenflüchtlinge, Wirtschaftsmigranten, Diaspora, usw.) kritisch zu reflektieren. Insbesondere im afrikanischen Kontext scheint es wichtig, die Repräsentationen der Flucht herauszuarbeiten, um sowohl Machtverhältnissen als auch der agency der Fliehenden Rechnung zu tragen.

Der Arbeitskreis ‚Afrika‘ trifft sich regelmäßig, um Methoden, Fragen, und Erkenntnisse der Flüchtlingsforschung zu diskutieren. Er fungiert einerseits als Diskussionsforum innerhalb des Netzwerks Flüchtlingsforschung, andererseits als Anlaufstelle, um die Forschungsergebnisse der Mitglieder publik zu machen.